Kieler Hunger

Wiker Post, 04.06.2010

Posted in mittägliche Erlebnisse by AneBanane on 4. Juni 2010

Cordon Bleu: 6,50 EUR
kleines Pils (0,4l): 2,45 EUR

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Die Wiker Post ist einfach eine Reise wert. Ist ihr ursprünglicher Namensgeber auch schon lange wegrationalisiert und zur zeitgemäßen Kita umfunktioniert worden, wehrt sie sich standhaft seit scheinbar mehreren Jahrzehnten gegen innenarchitektonischen Modehype und widersteht kurzlebigen kulinarischen Strömungen ebenso wie dem allgemeinen Jugendwahn. Manch gut gemeintes Projekt sorgt angestrengt in sozialen Brennpunkten dafür, die jungen Leute von der Straße zu holen, die Wiker Post tut selbiges mit spielerischer Leichtigkeit für die Generation ab 70. Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein.

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Vatter, nu komm:
Irgendwie scheint es hier auch Stammessen für 4,50 EUR zu geben, es wurde jedoch ausschließlich in die reguläre Karte geguckt, man will ja auch nichts falsch machen … Bemerkenswert ist zunächst, dass ein kleines Pils beachtliche 0,4 l Holsten Edel beherbergt, dafür aber nur 2,45 EUR kostet, anderswo gibt’s dafür gerade mal eine kleine Spezi.
Ursprünglich wurde ein Entenschenkel mit Rotkohl bestellt, hier wurde jedoch darauf hingewiesen, dass dieser eine halbe Stunde dauern würde. Daraufhin wurde sich umentschieden, so dass man bereits nach gefühlten 29 Minuten in den Genuss des Essens kam. Es gab zweimal Cordon Bleu. Sowas lohnt sich wahrscheinlich einfach nicht, selber zu machen und kommt tiefgefroren an, war aber durchaus OK. Die Bratkartoffeln waren richtig lecker. Dann gab es noch ein Schnitzel in Pilzrahmsauce, das eigentlich zwei Schnitzel war und ebenfalls Bratkartoffeln, das war gastwirtlich. Die Currywurst mit Pommes verdiente sich ein OK. Gaststar Uwe, der uns heute zum vorletzten Mal vor seinem Umzug nach Bankfurt beehrte, genoss ein Gulasch, das eigentlich drei Portionen war und war schlichtweg begeistert, nicht zuletzt ob der Zartheit des Fleisches.
Alles in allem darf man hier keine kulinarischen Extravaganzen erwarten, das Essen wirkt sehr selbstgemacht aber durch die Bank OK bis lecker.

7 Antworten

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  1. Uwe said, on 4. Juni 2010 at 13:26

    Ich bin immer noch satt! Das Gulasch war aber auch lecker und selbst eingelegte Gewürzgurken anstelle von Cornichons aus dem Glas haben ebenfalls Stil.

    Außerdem sehr souverän: Die zwei Servicehasen, denen man anmerkte, dass sie den Kellnerjob nicht machen, um sich ein Studium zu finanzieren, sondern weil es Ihr echter Job ist.

    Mein Highlight: Keiner der Nachbartische bestellt Latte Macchiato oder Espresso mit Caramel Flavour oder so ein Schnickmick. Hier wird noch ne ordentliche Tasse Kaffee bestellt.

    Vielen Dank daher von mir an alle Voter. Ihr habt mir einen schönen Freitag Mittag kurz vorm Abschied beschert!

  2. orland0 said, on 4. Juni 2010 at 13:34

    Sommer 1983 – Konfirmationsparty meiner Großcousine Claudia im Landgasthof Bosau. Rod Stewart hatte mit “Baby Jane” gerade die TOP 20 Charts gestürmt. Stolz lief man mit dem neuen BOSS Pullover um die Hüften gewickelt durch die Gegend … so in etwa habe ich mich beim Betreten der “Wiker Post” gefühlt. Aber spätestens als ich Uwes zufriedenen Gesichtsausdruck bei Lieferung seiner Gulaschportion vernahm, war ich wieder im Hier und Jetzt. Die Zeit scheint in der “Wiker Post” still zu stehen. Gutbürgerliches Essen wie man es von Oma kennt.

    Ich war auf jeden Fall positiv überrascht. Nicht dass ich erwartet hätte, dass das Essen nicht gut sein würde, aber das was sich vor unseren Augen nach und nach auf dem Tisch aufbaute war schon beeindruckend.

  3. lorenzokiel said, on 4. Juni 2010 at 13:35

    Ich war Cordon Bleu: 6,50 EUR und kleines Pils (0,4l): 2,45 EUR.

    Ich würde es wieder bestellen. Ambiente ist ganz klar mein Fall und das Essen erst mal.

    Rückspiel garantiert, denn sowas solides gibt es selten in Kiel.

    Auch die jungen Damen vom Nebentisch, schienen genau gewusst zu haben, warum Sie den Mittagstisch nicht im Bauch von Kiel einnahmen.

    Schönes WE an alle

    Lorenz

  4. Jens said, on 6. Juni 2010 at 18:58

    Die Speisen haben sich nicht geändert, habe ich dort schon vor 18 Jahren gegessen.
    Schwimmt das Essen immer noch in brauner Soße???
    ;-)

    • AneBanane said, on 6. Juni 2010 at 20:51

      Das kommt darauf an, wieviel Sauce man aus der Saucière auf die Speisen gießt … :)

  5. Sean Haley said, on 10. Juni 2010 at 19:58

    Kleiner Tip für einen der nächsten Mittagstische “Zum Mohrenkopf”
    http://www.zum-mohrenkopf.de/

    Das Personal erkennt einen nicht sofort als Kunden, das Essen dauert ewig und 3 Tage aber wenn es erstmal vor einem auf dem Tisch steht dann weiß man das es sich gelohnt hat zu warten…falls es den kommt :)

    • AneBanane said, on 11. Juni 2010 at 07:42

      Yay!
      Ein großes Danke für den tollen Tipp. Ist sofort mit in die Liste aufgenommen, wir sind gespannt. Klingt interessant: „Inhaber und Chefkoch Andrew Onuegbu aus Nigeria hat im Bärenkrug gelernt und war zuletzt Küchenchef in der ‘Siegfried Werft’ in Eckernförde.“ (Zitat kielometer.de)
      Guten Hunger!


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